Menschenhandel & moderne Sklaverei – ein weltweites Problem

Menschenhandel & moderne Sklaverei – ein weltweites Problem

Menschenhandel, englisch „human trafficking“, ist kein Wort, das für Thriller und Horrorgeschichten erfunden wurde. Es ist ein hochaktuelles, globales Milliardengeschäft. Und es wächst schneller als jedes andere kriminelle Business auf unserem Planeten. Man geht davon aus, dass aktuell rund 40 Millionen Menschen in moderner Sklaverei leben. Davon wird die Hälfte der gehandelten Betroffenen sexuell ausgebeutet und 38% in die Zwangsarbeit gebracht. Das sind die offiziellen Zahlen der dokumentierten Fälle, die Dunkelziffer ist weitaus höher. Die Europäische Kommission schätzt die Profite krimineller Netzwerke aus Menschenhandel weltweit auf über 25 Milliarden Euro im Jahr.1

Circa drei Viertel der Betroffenen sind Frauen und Mädchen, von denen wiederum der allergrößte Teil im Sexgeschäft landet – man spricht dann von sex trafficking.

Oft werden Mädchen einfach von ihren eigenen Familien verkauft oder gutgläubig Menschenhändlern ausgehändigt, die den Eltern ein besseres Leben für ihre Kinder versprechen. Teilweise werden Frauen aber auch gewaltsam entführt oder von ihren Tätern mit falschen Versprechungen in fremde Städte oder Länder gelockt. Ihnen werden auf der Reise die Papiere weggenommen und sie werden immer wieder verkauft. Sie müssen für ihre Händler als Prostituierte arbeiten, um ihre angeblich hohen Reisekosten abzubezahlen. Sie werden misshandelt, bedroht und sehen meistens keinen Ausweg.2

Allein in Indien beispielsweise verschwinden jedes Jahr rund 10.000 Frauen spurlos. Und das sind nur die offiziellen Zahlen. Die Dunkelziffer ist weitaus höher.

Menschenhandel und moderne Sklaverei gibt es fast überall und ist unabhängig davon wie reich oder arm ein Land ist.

Auch in Deutschland werden Frauen durch Erpressung oder Bedrohung in die Prostitution geführt. Die sogenannte „Loverboy-Methode“ ist hierbei stark verbreitet. Dabei versucht der Täter vor allem junge Frauen emotional an sich zu binden und sie von ihm abhängig zu machen, um sie später in die Prostitution zu bringen. Durch Manipulation glauben viele junge Frauen, sie helfen ihrem „Loverboy“, der scheinbar finanzielle Probleme hat, während dieser die Frauen nur ausnutzt. Deutschland ist außerdem ein Hotspot für Menschenhandel zum Zwecke sexueller Ausbeutung mit Frauen, die zum Beispiel aus Osteuropa oder Afrika verkauft wurden. Deutschland wird daher oft als Bordell Europas bezeichnet.

 

Menschen werden aber auch in die Textil-, Elektronik- und andere Industriezweige verkauft. Sie sind Arbeitskräfte ohne Rechte.

 

Die meisten Formen der Zwangsarbeit sollen die Betroffenen isolieren und für den Rest der Welt unsichtbar machen. Dies ist beispielsweise der Fall bei Betroffene, die als Hausangestellte gehandelt werden. Größtenteils sind diese weiblich und einem extremen sexuellen, physischen und psychischen Missbrauch ausgesetzt. Die Frauen werden durch die Arbeit von der Gesellschaft abgetrennt und leben oft mit den Tätern zusammen. Andere Formen der Zwangsarbeit, bei denen Menschen gut isoliert werden können sind beispielsweise Arbeiten in der Landwirtschaft, im Bergbau oder Fischerei. Durch diese Abschottung ist Menschenhandel weniger leicht zu erkennen und zu bestrafen.

Über die Hälfte der Betroffenen von Menschenhandel kommen aus armen Verhältnissen und hatten Probleme. Oft werden die schwierigen Umstände der Betroffenen ausgenutzt wie beispielsweise Menschen, die dringend eine Beschäftigung suchen. Diese werden häufig in die Zwangsarbeit verschleppt. Infolge der Corona-Pandemie ist zurzeit ein großer Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen.Der Jobverlust stellt Menschen weltweit in eine  Notlage, bei der viele ein höheres Risiko eingehen würden, ihre Existenz zu sichern. Das sorgt wahrscheinlich dafür, dass immer mehr Menschen ausgebeutet und zur Arbeit gezwungen werden, weil sie keine andere Möglichkeit haben, um zu überleben.

In der Modeindustrie laufen einige dieser Punkte zusammen. In vielen Produktionsländern für Bekleidung bekommen Arbeiter*innen einen zu niedrigen Lohn. Um ihre Existenz zu sichern arbeiten sie teilweise 14-16 Stunden jeden Tag, um überhaupt genug Geld zum Überleben zu verdienen. Neben verbalen und körperlichen Misshandlungen sind Beschäftigte oft menschenunwürdigen Bedingungen ausgesetzt. Auch Kinderarbeit ist in der Modeindustrie weit verbreitet. Menschen werden direkt oder indirekt gezwungen zu arbeiten und sind für die Gesellschaft oft unsichtbar. Es ist unsere Aufgabe nicht wegzuschauen und Betroffenen aktiv zu helfen.

Keiner muss ein moderner Spartacus werden, um etwas zu bewegen. Es gibt bereits viele Initiativen und Organisationen, die sich um dieses Problem kümmern. Aber sie brauchen unsere Unterstützung und unsere Aufmerksamkeit. Unser Wohlstand ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Er basiert unter anderem darauf, dass sich die Strukturen nicht verändern, die einen großen Teil der Welt in Armut halten – Armut, die Leute in die Sklaverei bringt.

 

 

 


1 UNODC GLOBAL REPORT ON TRAFFICKING IN PERSONS 2020
2 MISSION FREEDOM: Leben in Freiheit
3 Landeskriminalamt Niedersachsen: Die Masche der "Loverboys" - Wenn aus Liebe Zwang wird 
4 Statista: Corona Krise könnte weltweit 25 Millionen Jobs kosten

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